Chronotopic Recordings

(2025) Kunsthalle Düsseldorf „IM KINOSAAL“
Film, Installation, Sound

Die Installation Chronotopic Recordings inszeniert eine verlassene Laborsituation, die wie eine eingefrorene Spur wissenschaftlicher und zugleich fiktionaler Forschung wirkt. Sie ist Teil einer langfristig angelegten Space-Oper zwischen Musikfilm, skulpturaler Rauminstallation und interaktiver Oper. Das Projekt untersucht Fragen von Macht, Identität und Sicherheiten in einer komplexen, von Ambivalenzen geprägten Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen die Verschiebungen von Schuld, Moral und Verantwortung – sowohl individuell als auch kollektiv.

Der Ausstellungsraum verwandelt sich in eine immersive Erzählung: Skulpturale Elemente verschränken sich mit einer mehrkanaligen Soundkomposition, die musikalische Motive und Songfragmente der Oper aufgreift. Besucher:innen greifen interaktiv in die Klanglandschaft ein und werden so zu aktiven Teilnehmenden einer spekulativen Forschungsszenerie.

Changes (2021)

(Musik und Performance in Kollaboration 
mit Rebecca Himmerich)

Ein Jahr der Pandemie hat unsere Welt auf kleine Blasen reduziert, in denen wir uns ganz alleine als Teil eines Weltgeschehens wieder finden. Konfrontiert mit sich selbst, beginnen die zwei Protagonistinnen sich mit ihrer plötzlich reduzierten Umwelt auseinander zu setzen. Dabei begegnet ihnen immer wieder das Thema Veränderung oder die Abwesenheit dieser.

Jeden Tag scheint es neue Veränderungen im Pandemiegeschehen zu geben und dennoch scheint der Alltag der gleiche. Welche Rolle spielen nun Zukunftspläne, über die man sich vor der Pandemie vielleicht noch gar nicht so sicher war, die aber jetzt umso begehrenswerter erscheinen, da nicht klar ist, ob sie jemals wieder realistisch sein werden?

Das Danach scheint in der Ungewissheit zu liegen, endlos gleich ziehen sich die Tage in die Länge und die kleinen Freuden, die man wieder schätzen gelernt hat, versetzen einem einen schmerzhaften Stich. Auch scheint es, dass mit dem Fortschreiten der Zeit in der sozialen Isolation mit einer oft unsichtbaren und dadurch unfassbaren Bedrohung vor der eigenen Haustür, die eigene Realität immer surrealere Züge annimmt.

Es gilt: Vorbereiten auf das Ende und einen Neuanfang in einer Zeit, die endlos erscheint.

Die Zuschauer:innen begleiten die Protagonistinnen durch die Kreise, die sie in ihrer kleinen Blase ziehen, zwischen Verunsicherung und Mut, Neufindung und Festhalten an Altbekanntem.

Autists and Aliens

Installation, 5 x 5 x 6 m
Musik und Performance in Kollaboration mit Jonathan Auth

Autists and Aliens ist eine narrative Konzertperfomance, die eine Raumschiffinstallation als Mittelpunkt und Bühne nutzt. Sie setzt sich verspielt mit den „Popstars“ des Kunstmarktes auseinander und hinterfragt Standards und Regeln in der aktuellen Kunstszene.

Zwei Außerirdische vom Planeten Nemutib landen mit ihrem Raumschiff im K21. Ihre Forderung : „Hand over Damien Hirst!“ Damien Hirst sei ein Reptiloid, der neue Technologien an diverse Nationen liefert und sich zu diesem Zweck als Künstler tarnt. Die zwei Nemutibaner seien als “Royal Guards” zur Erde gekommen, um Hirst zu fangen und ihn zum System Suraki zu bringen, wo ihm dann der Prozess bevor steht.

Mit interdisziplinären Mitteln und Humor will die Arbeit die Betrachter:innen dazu verleiten, die Perspektive zu wechseln und Qualität nicht mit falscher Ernsthaftigkeit zu verwechseln.

Hypervulva (2019)

Die Arbeit Hypervulva ist eine kinetische Skulptur, die das weibliche Geschlechtsorgan interpretiert.

Akademia (2019)

www.akademiaoper.com

Etwas muss sich ändern. Wir sind im System eingeklemmt. Kunst scheint nur noch Kunstmarkt zu sein, wenn du überleben willst. Künstler:innen schaffen fremdbestimmt. Kunst scheint nicht mehr frei zu sein.

Doch es geht ein Flüstern durch die Reihen der neuen Generation: „Wir müssen etwas ändern“.

Aber was? Und wie?

Einen Alternativvorschlag zu dieser Situation scheint es gegenwärtig nicht zu geben. Unzufriedenheit und Unwohlbefinden machen sich breit, doch diese Gefühle sind schwer zu greifen, fast unmöglich zu benennen.

Der Weg zum Erfolg scheint klar und dennoch kaum zu meistern: zuerst die Institution, dann der Markt, auf dem es nach scheinbar vorgegebenen Richtlinien zu bestehen gilt. Was ist ein/e Künstler:in und worauf sollen uns institutionelle Einrichtungen vorbereiten, wohin sollen sie uns leiten?

Welche Ideale sollen vertreten werden und WAS WOLLEN WIR ÄNDERN?

Kunst muss außerhalb des Systems entstehen, um dieses zu kritisieren „Wie frei ist die Kunst?”, lautet die dringlichste Frage in der aktuellen Kunstdebatte. Jedes System, jeder institutionelle Raum hat seine Gesetzlichkeiten, jeder Diskurs seine Regeln. Eine Gemeinschaft verkommt allzu häufig zu einem System, das Verhalten kontrolliert und Konformität schafft. Auch die Kunst ist Teil des Systems.

Welche Freiheit aber kann es für sie innerhalb des Systems Kunstakademie, Kunstmarkt, Kapitalismus, des Systems Patriarchat noch geben? Selbst, wenn sie Systemkritik für sich beansprucht, verändert und verbessert Kunst, die innerhalb des Systems entsteht und agiert, dieses nicht, weil sie, um gehört und gesehen zu werden, gezwungen ist, die Eigenschaften des Systems selbst zu übernehmen. Kunst innerhalb des Kunstmarktes ist synonym mit Letzterem. Erfolg in der Kunst ist derzeit gleichbedeutend mit Erfolg im patriarchalen Kapitalismus (Geld und Macht). “Profitiert man erst einmal von dessen Annehmlichkeiten, erscheint es unmittelbar weniger böse und korrupt als gerade eben noch.“
(Jolanda Wessel)

Die Kunstakademie Düsseldorf steht exemplarisch für viele Kunstinstitutionen

„Akademia“ ist eine experimentelle Oper, die sich mit den oben genannten Fragen und Thematiken auseinandersetzt. Sie zeigt die verschiedenen Perspektiven der unterschiedlichen Positionen im institutionellen System und beleuchtet Ideale, Vorstellungen, Ängste und die persönlichen Kämpfe. Der Rahmen für diese Diskurse ist eine Beispieldarstellung verschiedener Diskursstufen und -orte im dokumentarischen Kontext der Kunstakademie Düsseldorf.

Das Projekt „Akademia“ möchte durch die Zusammenarbeit von über hundert Künstler:innen ein konkreteres Bewusstsein für die Thematik, sowohl bei den Künstler:innen selbst, als auch in der Öffentlichkeit entstehen lassen.

Nach dem Abitur erhält Lara Wittenberg eine Zulassung zur Kunstakademie. Nach und nach lernt sie die dort wandelnden Figuren und Orte der Akademie kennen und wird sich bald in der Kluft zwischen eigenen Idealen und vorherrschendem System befinden. Was als Ort von Anarchie und Freiheit angepriesen wird, entwickelt sich für Lara nach und nach zum Schauplatz eigener Zweifel, hochschulpolitischer Machtkämpfe und Hürden, die ihrer Kunst und ihrem Freiheitsgedanken im Wege stehen.

In jedem von uns steckt ein Stück Lara

Die Besucher:innen der Oper Akademia erhalten beim Eintritt in den Malkastenpark einen Studierendenausweis der Figur Lara Wittenberg. Bei einer ersten Ansprache werden Sie von Elena Ubrig und Aylin Leclaire auf der ersten Bühne als neue Studierende der Kunstakademie begrüßt. Auch die Figur Lara Wittenberg bekommt ihre Zusage, dass sie an der Kunstakademie angenommen ist und bekundet freudig ihre Erwartungen und Hoffnungen.

Die Jahreseröffnungsfeier beginnt. Beth Stone, die neue Rektorin der Kunstakademie, stellt ihre Werte und Ideale vor, die teils auf neue Hoffnungen und Enthusiasmus, teils auf Schrecken und Empörung auf Seiten der Studierenden und Professor:innen treffen.

Nach dem Ende der Jahreseröffnung hat der/die Besucher:in nun die Möglichkeit, nach Belieben die eigene Reihenfolge der folgenden Szenen zu wählen. Er/sie kann als neue/r Student:in zunächst ins Asta-Café, ins Kolloquium der Klasse Malstein, zum Aktzeichnen bei Harald Werl gehen oder aber einer Senatssitzung beiwohnen. Lara Wittenberg, welche am Ende jeder der folgenden Szenen mit einem Monolog über die Situation reflektiert, hat hierbei ebenfalls ihre ganz persönliche Reihenfolge, die für den/die Betrachter:in auch bei anderer Reihenfolge lesbar bleibt.

Aktzeichnen bei Harald Werl

Ein paar Studierende zeichnen das Aktmodell in der Mitte des Raumes. Andere trinken Bier und beschäftigen sich anderweitig. Harald Werl sitzt Zigarre paffend auf einem Stuhl und liest Zeitung. Das Aktzeichnen ist wie der italienische Marktplatz der Kunstakademie. Dort werden Geschichten erzählt, aus vergangenen Zeiten, der aktuellen Kunstszene und dem neuesten Akademie Klatsch und Tratsch. Das Aktzeichnen ist hier das Ufer der “Traditionalisten”, ein von Männern dominierter Raum in dem es rau hergeht. Zum anderen ist jedoch ausgerechnet hier Platz für die unterschiedlichsten Charaktere. Auch Lara begibt sich zunächst zum Aktzeichnen. Nach der ersten Verwunderung darüber, dass der Raum mehr ein Männerstammtisch als eine gelehrte Aktzeichenstunde zu sein scheint, entdeckt sie, dass dieser Ort ganz besondere Reize der Grenzüberschreitung und Leidenschaft inne hält. Davon ist sie natürlich angezogen.

Kolloquium bei Professor Malstein

Professor Walter Malstein ist ein in die Jahre gekommener Künstler, der immer wieder zwischen der Rolle des weisen Künstlermeisters und dem des gescheiterten melancholischen alten Mannes schwankt. Die Studierenden versuchen sich und ihre Arbeiten vor ihm zu behaupten. Lara wohnt nun auch ihrem ersten Kolloquium bei. Zum ersten Mal begreift sie, wie wichtig ihr das künstlerische Schaffen ist und stürzt sofort in eine Krise, aus der sie sich aber bald rauszieht und mit neuen energetischen Vorsätzen und Erkenntnissen aus ihr herausgeht.

Das Asta-Café

In einem 20 Meter langen Schiff findet der/die Besucher:in das Asta-Café vor. An einer drehenden Theke sitzen die studentischen „Revoluzzer:innen“ und planen den Sturz der Obrigkeit an der Akademie. Leider verliert sich der revolutionäre Akt zumeist im Trinkgelage. Lara Wittenberg, nun schon seit längerem an der Akademie, stürmt wütend ins Café, sie hat genug von Restriktionen und Auflagen und fordert die anderen Anwesenden auf, endlich in Aktion zu treten. Sie hat Hoffnung, will etwas verändern, sieht die Problematik allerdings noch nur im Kontext der Kunstakademie.

Senatssitzung

Die hohen Professor:innen sitzen an einer langen Tafel beisammen, um gemeinsam über wichtige Aufgaben und Pläne der Akademie zu beraten und zu entscheiden. Hier findet Großes statt, so scheint es. Doch nach und nach wird klar, dass sich die Senator:innen nur in kleinkarierten Streits und Intrigen verlieren, statt für ihre Ideale zu kämpfen. Auch Lara entgeht dies nicht. Sie ist enttäuscht, dachte sie doch, sie würde hier ihre Vorbilder vorfinden. Sie begreift, dass die Problematik der Restriktion und Tatenlosigket weitgreifender ist, ein gesamtgesellschaftliches Problem ist und über die Mauern der Akademie hinaus reicht.

Das Finale

Der Kreis schließt sich. Alles wiederholt sich. Die Zuschauer finden sich nun wieder gemeinsam an der, nun gespiegelten, ersten Bühne zusammen. Ein neuer Rektor begrüßt die neuen Studierenden und stellt seine Werte und Ideale vor. Lara Wittenberg kann nicht mehr nur zusehen. Sie möchte in Aktion treten. Die Menschen wachrütteln, etwas bewegen. Doch sie kommt niemals dazu, sondern wird von allen Seiten von engstirnigen Tunnelblicken umgeben und wird zerredet, bis sie daran zerbricht und zergeht.

Der Prozess

Das Stück beschreibt unsere gegenwärtige Situation im Bezug auf künstlerische Freiheit und nimmt sich dafür Laras Perspektive zur Hand. Jede Szene stellt Laras Reflektionsgrad dar und zeigt dem/der Betrachter:in ihre Sicht auf die Situation. Dabei wird nicht einfach mit dem Finger auf die Obrigkeit gezeigt, sondern jeder/jede, als ein Teil des bestehenden Systems, wird hier kritisiert.

In einem zweijährigen Prozess haben verschiedene Formen von Arbeitsphasen stattgefunden. Über ein Jahr entwickelte Aylin Leclaire das Konzept für Akademia. Angefangen mit Interviews, die sie mit Studierenden und Absolventen:innen der Kunstakademie Düsseldorf führte, über Recherche in Zeitungsartikeln bis hin zu Literaturrecherchen (z.b. Foucault’s „die Ordnung des Diskurs“ und Gene Sharp’s Leitfaden für gewaltlose Revolutionsstrategien „von der Diktatur zur Demokratie“). Anschließend schrieb Aylin Leclaire eine Basis des Librettos.

Nun begann der kollektive Arbeitsprozess. Leclaire gründete ein Textteam, mit dem sie auf Basis des bestehenden Librettos die Oper Akademia schrieb. Nach mehreren Wochen regelmäßiger Zusammenarbeit stand das Finale Libretto.

Ein Kompositionsteam aus sechs Komponist:innen begann den Text der Oper musikalisch umzusetzen. Dafür arbeiteten Komponist:innen aus unterschiedlichsten Genres an dem Stück und formten so völlig diverse Atmosphären für die Szenen.

Die Grundlage für die Oper war gegeben. Zeitgleich zu Gesprächen mit dem Künstlerverein Malkasten begann ein Bühnen-Team, aus mehreren Künstler:innen die Arbeit an fünf verschiedenen Bühneninstallationen. Über einen OpenCall, organisiert durch das Öffentlichkeitsteam, fanden sich fast vierzig Sänger:innen und zwanzig Musiker:innen zusammen und begannen Anfang 2019 mit der szenischen und musikalischen Erarbeitung des Stücks. Elena Ubrig übernahm die Regie des darstellerischen Parts, Aylin Leclaire die musikalische Leitung. Im Mai 2019 ging es endlich in den Park. Der Aufbau der Bühnen/Installationen begann und die Proben wurden im Park an ihren vorgesehenen Spielorten abgehalten. Ein Technikteam realisierte einen komplexen Beschallungsplan auf den fünf Bühnen. Hundert Beteiligte zogen an einem Strang. Wo es noch etwas zu tun gab, gab es mehr als genug helfende Hände. Auch sorgte ein selbst initiiertes Cateringteam dafür, dass es rund um die Uhr für alle warme Mahlzeiten gab.

Nach zweijähriger Arbeit fand am 11.06.2019 die Premiere statt. Bei strahlendem Sonnenschein wanderten 200 Besucher:innen vier Stunden lang durch den Malkastenpark und erkundeten Szene für Szene. Akademia wurde insgesamt sechs Mal aufgeführt und war während der ganzen Zeit mit insgesamt 2000 Besucher:innen restlos ausverkauft.

Akademia hatte mit der Idee einer einzelnen Person, eine Oper zu machen, begonnen. Durch den teildemokratischen Arbeitsprozess, indem Aylin Leclaire für die einzelnen Teams die Organisation übernahm, als Kleber fungierte, und jedem der teilnehmenden Künstler:innen versuchte, größtmögliche Freiheit zu lassen, während sie sich um Möglichkeiten der Realisierung kümmerte, entstand ein großes und komplexes Kollektivprojekt.

Der besondere Aspekt des Projektes liegt nicht darin, dass über 100 Künstler:innen zusammen gefunden haben, um ihrem Bedürfnis nach Freiheit eine Stimme zu geben und zu kritisieren, sondern, dass hundert Menschen durch ihre Zusammenarbeit ein Gegenbeispiel zur gegenwärtigen Situation geschaffen haben bzw. einen möglichen Lösungsweg aufgezeigt haben. Dies hätte nicht geplant werden können, sondern konnte nur aus einer Mischung aus Leidensdruck, Sehnsucht, Konzept und Zusammenarbeit wachsen. Das so entstandene Kollektiv möchte weiter für künstlerische Freiheit im System kämpfen und arbeitet zurzeit an zukünftigen Strategien.

Zentrum (2017)

Plastik 
Kunstharz, LED-Licht, Sound, 11,50 x 5,20 x 3,40 m

„Zentrum“ ist eine skulpturale Installation aus Kunststoff, Glasfaser, Licht und Sound. Das Zentrum der Skulptur befindet sich in der Mitte einer organischen Säule, wo Licht wie ein Herz pulsiert. Es reagiert auf Rhythmen und Klicks, die von Lautsprechern außerhalb der Skulptur wiedergegeben werden.

Lange Tentakel suchen sich von beiden Enden der Säule einen Weg durch den Raum und scheinen diesen zu erobern.

Das zentrale Licht reagiert außerdem auf „Soundscapes“, die hin und wieder von Lautsprechern innerhalb der Skulptur wiedergegeben werden. Diese „Soundscapes“ sind verzerrte Aufnahmen verschiedener sozialer Situationen. Sobald der/die Betrachter:in den Raum betritt, tritt er/sie in einen Dialog mit der Skulptur.

Die Skulptur reagiert ebenfalls auf Geräusche, die von den Betrachter:innen produziert werden, wodurch für die Betrachter:innen kein Raum bleibt, sich diesem Dialog zu entziehen.

Conversation Situation (2016)

(In Kollaboration mit Glenn Ryszko)

„Conersation-Situation“ beschäftigt sich mit der Beziehung zweier Menschen. Die Arbeit ist in vier Abschnitte unterteilt, welche die verschieden Stufen einer solchen Beziehung zeigen. Jede Sequenz scheint einen Dialog zwischen diesen beiden Individuen preis zu geben, ohne dass ein explizites Gespräch zu hören ist. Jedoch können die Betrachter:innen Emotionen, Atmosphären und eine Narrative entnehmen. Trotz dass die Betrachter:innen einige Worte aufschnappen können, bleibt der Dialog vage, sodass die Betrachter:innen die Lücken selbst füllen. Die Arbeit beschreibt das, was NICHT gesagt wird. Sie wird auf einem klassischen Kassettenrekorder mit einem 12-Minuten Loop Tape abgespielt.

Transposition in Four Places (2015)

Sound-Installation
Sound, Dauer ca 30 Min, Installation, 2,5 x 2,5 x 5 m

Die Soundinstallation geht auf die architektonische Präsenz von Klang ein. Dafür hat Aylin Leclaire an vier verschiedenen Orten Geräusche aufgenommen. Aus diesen konstruierte sie Klangkollagen, die für sie persönlich darstellen, was sie bei diesen Orten empfindet. Die Kollagen sind in vier Sequenzen unterteilt. Diese werden in einem dunklen, also visuell undefinierten Raum wiedergegeben, was durch einen schlichten quadratischen Eingang an einer anscheinend sonst geschlossenen Wand unterstützt wird.

Dadurch entstehen wiederum neue Orte, die sich für jede/n einzelne/n Betrachter:in individuell bilden. Der Klang eines Ortes wird über Leclaires Empfindung in einen neuen Ort transformiert, der von der persönlichen Empfindung der Betrachter:innen abhängt. Darauf geht auch der Titel dieser Arbeit ein, welcher als Wortspiel zu verstehen ist: Transposition In Four Places – Transpositioning four places . Das Wort Transposition ist zudem in der Musik wieder zu finden. Durch die Nutzung verschiedener Lautsprecher und eines Körperschallwandlers im Boden wird die architektonische Wirkung des Klangs noch verstärkt.

Kontrollstation (2014)

Kontrollstation

In der Performance Kontrollstation geht es um die Rolle der Akustik in Bezug auf den Raum und Möglichkeiten und die sich daraus ergebende Macht jedes Einzelnen, Räume durch das Intervenieren in die vorhandene Geräuschkulisse, zu gestalten.

Der auditive Part dieser Arbeit besteht aus drei Teilen, die sich jeweils aus Geräuschkollagen, gesprochenen und gesungenen Passagen zusammensetzen, welche Leclaires Gedanken zu dieser Arbeit erklären sollen. Dies geschieht innerhalb einer Latexinstallation, die den Raum in einen Innen- und einen Außenraum teilt. Der Betrachter steht im Außenraum, während Aylin Leclaire selbst im Inneren die Performance darbietet. Der Latexstoff, welcher aus Flussiglatex, Frischhaltefolie und einer Art Bitumenjod hergestellt ist, besitzt eine hautähnliche Struktur und Optik. Im Inneren des Latexgebildes sind Lampen installiert, die auf Sound reagieren. Durch den Klang der Performance scheint die Latexinstallation wie ein inneres Organ zu pulsieren und bekommt fast etwas von einem Uterus. Der gesprochene und gesungene Text behandelt die These, dass Klang einen enormen Einfluss auf die Raumwahrnehmung hat. „Wenn ich nur spreche, verändere ich schon den Raum. Dennoch ist mein Raum, der sich dabei bildet, mein ganz individueller und der Raum meines Gegenübers ist für mich nicht richtig einschätzbar.“ Dies wird durch die Lichtinstallation zusätzlich verbildlicht.

Das Erdbeermädchen (2014)

Diese 2014 entstandene Arbeit befasst sich mit dem Gemälde „Strawberry girl“ von Joshua Reynolds und besteht aus zwei Teilen. Beide Teile beschäftigen sich damit, was die fast skurrile Szene in Reynolds Gemälde, in der ein kleines Mädchen, das gebückt wie eine alte Frau aus einem dunklen Wald kommt und etwas für den/die Betrachter:in nicht Sichtbares in ihrer Schurze trägt, so geheimnisvoll macht.

Der erste Teil ist ein Video in Kollaboration mit Conrad Veit, das Aylin Leclaire in der Rolle des Erdbeermädchens zeigt. Die Figur des Erdbeermädchens hält eine Erdbeere in der Hand, bis ihr ein Gedanke gekommen zu sein scheint, der sie so sehr ablenkt, dass sie diese fallen lässt. Sie öffnet ihre Schürze, in welcher sie etwas mit sich trägt und schaut hinein. Was sie sieht, ist für die Betrachter:innen unklar. Sie scheint sich zu freuen. Diese Freude schlägt jedoch sogleich in einen scheinbar tiefen Schmerz um. Sie schließt die Schürze. Das letzte Bild zeigt das Mädchen in derselben Pose wie bei Joshua Reynolds Original. Der zweite Teil der Arbeit ist ein alter Mini Mayfair, der auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich aussieht. Er ist ein Gegenstand, der einem im Alltag hin und wieder begegnet. Dennoch fällt er vielen Menschen auf, wenn sie einen solchen auf der Straße sehen.

Die Scheiben des Autos sind von innen schwarz lackiert. Nur durch zwei kleine Löcher im Lack kann man in das Innere des Wagens blicken. Nur wer aufmerksam ist und sich auf das Werk einlässt, entdeckt das Geheimnis, welches sich dort im Inneren befindet: Das Erdbeermädchen liegt in einem dunklen, höhlenartigen Raum auf einem Boden, welcher vollkommen mit Erdbeeren übersät ist. Ob das Mädchen schläft oder überhaupt noch lebendig ist, ist unklar. Es ist eine sehr intime Szene, in die der/die Betrachter:in blickt, an der er/sie jedoch nicht teilhaben kann, da es ihm/ihr nicht möglich ist, in das Innere des Autos zu dringen. Mit diesem Geheimnis, welches er/sie letztendlich doch nicht fassen kann, verlässt er/sie das Werk wieder. Am Ende suggerieren und beschreiben beide Teile dieser Arbeit lediglich, dass es in dem Bild von Joshua Reynolds ein Geheimnis zu geben scheint. Die Figur im Mini ist ein Kunststoffabguss Aylin Leclaires Körpers und somit die gleiche Person wie in dem zuvor beschriebenen Video.

Roswithas Wunderkamer (2013)

Die 2013 entstandene Arbeit handelt vom Alter Ego „Roswitha Seefischikowski“. Der jurtenartige Bau soll den Betrachter:innen, die ihn begehen, das Gefühl geben, der Person Roswitha Seefischikowski zu begegnen, ohne sie tatsächlich zu sehen. Der Raum fügt sich von außen, mit seinen rohen Dachlatten und Pappen, in die umliegende Ateliersituation ein und wird teils sogar von Anderen als Atelierfläche genutzt. Von innen weist der Raum in keinster Weise auf diesen Standort hin, sondern ist völlig in sich geschlossen.

Die Einrichtung des Raumes besteht aus oft sehr vertrauten Gegenständen, die jedoch zumeist auf eine andere Zeit, etwas Vergangenes, hinzuweisen scheinen. Zudem entwickeln Möbel etwas Absurdes, wie zum Beispiel das Baldachin-Bett, welches aus vielen anderen Möbelteilen und Gegenständen, wie einem Klavier, Schränken, Büchern etc. gebaut wurde. Anstatt einer Matratze liegt auf dem Lattenrost eine, aus Teppich geformte Gebirgslandschaft, mit kleinen schwarzen Häusern in den Tälern. Als Baldachindecke fungiert eine umgedrehte Tischplatte, durch welche die dazugehörigen Stühle durchbrechen und im Fall stehen zu bleiben scheinen. Auch der Schreibtisch hat eine durchbrochene Tischplatte, in welcher eine goldene Miniaturstadt zum Vorschein kommt. Die linke Schublade birgt einen winzigen Wald, im Fußraum schwebt ein Baum, der ein Puppenhaustischgedeck mit seinen Wurzeln hält. In der rechten Schublade schaut man durch einen Tunnel von Laub und Ästen auf Joshua Reynolds „Strawberry girl“. Den gesamten Raum durchziehen somit weitere kleine Räume. Durch diese Verschachtelungen entsteht der Eindruck von Episoden oder Ausschnitten. Der Raum wirkt wie das Eintauchen in die Erinnerungen einer Person an ihr Leben. Teils sind diese konkret, teils verschwimmen sie in Verklärung und Träumen. So scheint der Raum den Charakter einer bestimmten Person „Roswitha Seefischikowski“ zu repräsentieren. Die Betrachter:innen kommen ihr somit also nahe, ohne sie zu berühren.